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Recht & Gesetz
Das Märchen vom Nulltarif
Zahnersatz zum Nulltarif? Immer häufiger stolpern Patienten über Werbung mit derartigem Inhalt. Durch den Einkauf von billigem Zahnersatz aus China soll das Portemonnaie des Patienten nicht belastet werden. Doch kann das funktionieren? Was erwartet die Patienten wirklich?Die Initiative proDente gibt eine klare Antwort: „ Die Aussage des Begriffs, Zahnersatz zum Nulltarif ist falsch. Nur Regelleistungen werden für Patienten kostenlos angeboten. Was heißt das? Die Regelleistung ist in Deutschland durch den Gesetzgeber definiert. Sie ist eine medizinisch sinnvolle und zweckmäßige Basisvorsorgung Wünscht aber der Patient beispielsweise statt einer herausnehmbare Prothese mit Klammerverankerung einen festsitzenden Zahnersatz oder hat er Interesse, beim Zahnersatz möglichst viel von seiner natürlichen Zähnen zu erhalten, ist das eine höherwertige Leistung. Im Klartext: Schon der Wunsch nach einer kleinen ästhetischen Verbesserung in Bezug auf Materialauswahl und Behandlung ist auch bei den vermeintlichen Schnäppchenanbietern kostenpflichtig.“
Discount-Zahnarzt McZahn
Nach dem Geschäftsprinzip von Fastfood-Ketten sucht die McZahn AG Zahnärzte, die eine McZahn-Praxis im Franchise-System führen und Patienten „Zahnersatz zum Nulltarif“ aus China anbieten. Zunächst 459, dann 300 „Standorte“ sollte es nach Planung des McZahn Vorstandssprechers Werner Brandenbusch bis 2009 geben. Anfang April 2007 musste er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung allerdings
bereits eingestehen: „Das werden wir in dieser Größenordnung voraussichtlich nicht schaffen.“ Fakt ist, das es seit 1. Juni d.J. drei McZahn-Praxen gibt: in Bünde, Krefeld-Uerdingen und Köln. Medienberichten zufolge mussten allerdings rund 100 Patienten im westfälischen Bünde lange Wochen auf ihren endgültigen Zahnersatz warten, denn ihr McZahn-Behandler war mit der Zentrale in Streit geraten: Das Unternehmen verweigerte nicht nur die vereinbarte Lieferung von Kronen und Brücken, sondern auch den Zugriff auf Patientendaten. Die Patienten waren auf Provisorien angewiesen.
Dr. Walter Dieckhoff, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe: „ Wenn derart in Belange der zahnärztlichen Berufsausübung eingegriffen wird, dann ist dies bedenklich. Es kann nicht sein, dass gewerbliche Unternehmen über den Umgang mit Patientendaten bestimmen und so für die Behandlung wichtige Informationen zurückhalten. Wenn die Presseberichte stimmen, so sind die McZahn-Patienten eindeutig die Leidtragenden.“
Für drei Standorte (Düsseldorf, Krefeld-Uerdingen und Köln) wurden die bei der Zahnärztekammer Nordrhein notwendigen Praxis-Zulassungen für McZahn bereits abgelehnt. Selbst bei den Krankenkassen verliert der „Discounter“ jetzt den Rückhalt.
„So ein Streit darf nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden“, sagte ein Sprecher der Deutschen Angestellten-Krankenkasse DAK.
Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der Zahnärztekammer Berlin, antwortete übrigens auf die Frage, ob die Versorgung bei Filialisten schlechter ist: „Um das zu beantworten, müssen wir erst einmal klären, was unter ´schlechter´ zu verstehen ist. In mancher dieser Ketten sitzen fertig ausgebildete Zahnärzte, die ihr Fach gelernt haben. Sie müssen für die Übernahme einer Filiale Lizenzgelder bezahlen, sie arbeiten mit vorgegebenen Produkten, die (hoffentlich) in Deutschland zugelassen sind, und mit Dentallaboren im Ausland, die wissen müßten, wie eine Brücke über drei Zähne aussehen sollte. Was ich als ´schlechter´ dabei sehe, ist, dass hier Knebelungen bestehen. Der Zahnarzt in einer Filialkette kann nicht arbeiten, was er für richtig hält, sondern muss das liefern, was der Filialist verlangt. Mit den Produkten, die der Filialist bestimmt.“




